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CDU
Kreistagsfraktion Viersen Michael Aach,
Fraktionsvorsitzender
Rede zum
Haushalt 2010 am 24. Juni 2010
Sehr geehrter
Herr Landrat, meine sehr geehrten Damen und
Herren,
der vor uns
liegende Haushaltsplan 2010 ist in vielerlei
Hinsicht etwas Besonderes. Er ist nicht nur der
erste, den der neue Kreistag nach der Kommunalwahl
2009 berät, sondern er sollte uns auch wie kaum
ein anderer Haushalt zuvor beschäftigen.
Zu Beginn der
neuen Legislaturperiode stellte uns dieser
Haushalt, und ich glaube das kann man so sagen,
vor eine wirkliche Herausforderung. Bereits bei
der Einbringung im Januar war für uns alle klar,
die schwerste Krise der kommunalen Finanzen trifft
nun auch den Kreis Viersen mit voller Härte. Der
von Landrat Peter Ottmann und Kreiskämmerer
Wilhelm Horster aufgestellte Entwurf sah trotz der
bereits geplanten Inanspruchnahme der
Ausgleichsrücklage in Höhe von 2,8 Mio. Euro
eine Anhebung der Kreisumlage um 4,2 % Punkte auf
43,7 % vor. Diese katastrophale Ausgangslage für
die Kommunen, hat nicht etwa mit vom Kreistag
veranlassten Ausgabenerhöhungen zu tun. Selbst
die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, die im
Jahre 2009 mit einem Rückgang des
Bruttoinlandsproduktes um 5% in Deutschland ihren
bisherigen Höhepunkt erreichte, spielt hierbei
nur eine untergeordnete Rolle. Hauptursache für
die kommunale Finanzmisere ist eine über viele
Jahre hinweg verfehlte Politik auf Bundes- und
Landesebene, ganz gleich ob die jeweiligen
Regierungen von Rot -Grün, Schwarz - Gelb oder
aus einer großen Koalition bestanden.
Es fand eine
permanente Lastenverschiebung von Bund und Land
auf die Ebene der Kreise statt, ohne gleichzeitig
die hierfür notwendige Finanzausstattung
sicherzustellen. Die jüngsten Beispiele sind die
Finanzierung der Kosten der Unterkunft oder die
Einführung der Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung.
Ein Blick in die
konkreten Zahlen des Haushalts 2010 macht das
ganze Ausmaß dieser Katastrophe deutlich. Allein
durch die sozialen Leistungsbereiche für
pflegebedürftige Menschen, Grundsicherung im
Alter und Leistungen der ARGE für die Kosten der
Unterkunft wird der Kreishaushalt im Jahre 2010
mit fast 57 Mio. € belastet. Seit dem Jahr 2007
hat sich der Zuschussbedarf um sage und schreibe
16,6 Mio. € erhöht. Alleine die
Verschlechterungen von 2009 auf 2010 belasten den
Haushalt mit zusätzlichen 8,5 Mio. €. Auf alle
diese Ausgaben und die rasant ansteigende
Entwicklung hat der Kreistag keinen wirklichen
Einfluss.
Dabei, meine sehr
geehrten Damen und Herren, stellt die
Kreistagsfraktion der Christlich Demokratischen
Union diese Leistungen nicht in Frage. Das System
der Leistungserbringer bedarf nach unserer
Auffassung dringend einer Veränderung zugunsten
der Kommunen.
Eine Erhöhung
der allgemeinen Kreisumlage um 4,2 % Punkte, wie
es der Entwurf vorsah, wäre für die ohnehin
finanziell besonders stark gebeutelten Städte und
Gemeinden nicht mehr verkraftbar gewesen. In einer
bisher beispiellosen Aktion haben dann die vier
Fraktionen CDU, SPD, Grüne und FDP die schwierige
Finanzlage erkannt und versucht, Lösungen auf
einem gangbaren Weg zu finden. Deshalb war die
gemeinsame Initiative der vier Fraktionen im
Kreistag nur konsequent und zurückblickend
absolut richtig. In einem gemeinsamen Antrag haben
die Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen die
Haushaltsberatungen zeitlich bis in den Juni
hinein verlängert und zeitgleich eine
Arbeitsgruppe "Haushaltskonsolidierung"
eingerichtet.
In mühevoller
Detailarbeit ist der Haushalt daraufhin Seite für
Seite und Produkt für Produkt auf
Einsparmöglichkeiten untersucht worden. Oberstes
Ziel war es dabei stets, die Erhöhung der
Kreisumlage erheblich abzumildern. Das Ergebnis
der über 20stündigen Beratungen kann sich
durchaus sehen lassen. Insgesamt konnten
Verbesserungen für den Haushalt 2010 von 2,8 Mio.
€ und für den Haushalt 2011 von nochmals 2,4
Mio. € realisiert werden. Heute will ich sagen:
Auch wenn die Arbeit manchmal zäh und mühevoll
war, das Ergebnis hat sich am Ende doch gelohnt.
An dieser Stelle, liebe Freunde, darf ich allen
Beteiligten Respekt zollen und ein herzliches
Dankeschön von unserer Seite für die
konstruktive Zusammenarbeit. Danke. Einbeziehen in
diesen Dank möchte ich auch ausdrücklich die
Kreisverwaltung, die an den gemeinsamen Beratungen
konstruktiv teilgenommen hat.
Neben der Senkung
von Ausgaben gilt es aber auch, eine Verbesserung
der Einnahmen im Kreishaushalt zu erreichen. Eine
der ganz wenigen Möglichkeiten diesen Ansatz
konkret umzusetzen, bietet die Gewinnausschüttung
der Wirtschaftsförderungs-gesellschaft des
Kreises an den Kreishaushalt. Und genau hier
werden wir gemeinsam ansetzen.
Bereits heute
wird per Kreistagsbeschluss festgelegt, dass die
WFG im Jahre 2011 statt der bislang
prognostizierten 1,9 Mio. € nunmehr 5 Mio. €
an den Kreishaushalt abzuführen hat. Diese um 3,1
Mio. € erhöhte Gewinnausschüttung soll in
voller Höhe den Städten und Gemeinden in Form
von Kreisumlagenreduzierung zu Gute kommen. In der
jetzigen finanziellen Notlage von Kreis, Städten
und Gemeinden muss auch die WFG, als sehr
vermögende und ertragsstarke Kreistochter, einen
spürbaren Sonderbeitrag zur
Haushaltskonsolidierung leisten.
Diesen
Solidarbeitrag halte ich für angemessen und
gerechtfertigt. Denn seit der Übertragung der
RWE-Aktien des Kreises auf die
Wirtschaftsförderungsgesellschaft wird dort quasi
ein Teil des Vermögens des Kreises verwaltet. Die
Wirtschaftsförderungs-gesellschaft ist kein
selbstständiger Eigenbetrieb. Ein Blick in den
gerade vorgelegten Jahresabschluss zeigt, dass die
WFG zum Bilanzstichtag 31.12.2009 über einen
Kassenbestand und über Guthaben bei
Kreditinstituten in Höhe von 5,4 Mio. €
verfügt. Wir erwaten in soweit, dass die erhöhte
Gewinnabführung an den Kreis zu keinen Leistungs-
oder Aktivitätseinschränkungen im Bereich der
Wirtschaftsförderung führt.
Trotz aller
Sparzwänge setzt der Kreistag auch mit dem
Haushalt 2010 wieder gezielt Prioritäten, da wo
es besonders notwendig erscheint. Und dies ist vor
allem der Bereich von Schule und Bildung:
" Die
Ausgaben für Investitionen in die Ausstattung von
Schulen mit Lehr- und Lernmitteln bleiben bewusst
von Kürzungen verschont. " Der
Kreisschulausschuss konnte in seiner letzten
Sitzung die für über 2,0 Mio. Euro erweiterte
und modernisierte Franziskusschule besichtigen.
" Der absolute Schwerpunkt bei der Umsetzung
des Konjunkturpaketes "2" liegt mit
über 6,4 Mio € im Umbau und der Totalsanierung
des Berufskollegs in Willich. Um nur einige
Beispiele zu nennen.
In einer
gemeinsamen Kraftanstrengung ist es uns gelungen,
einen tragfähigen Kompromiss, sowohl aus Sicht
des Kreises, aber auch der kreisangehörigen
Städte und Gemeinden, zu erarbeiten.
Die
Veränderungen im Haushalt gegenüber dem Entwurf
sind vor allem im Gleichklang von drei Maßnahmen
zu sehen. 1) Eine Reduzierung der Ausgaben auch im
Personalbereich um insgesamt 4 Mio. €. 2) Eine
erhöhte Gewinnausschüttung der WFG an den Kreis
von 5 Mio. € im Jahre 2011. 3) Eine Abmilderung
der Kreisumlagenerhöhung um 1,8 % Punkte auf
nunmehr 41,9 % Punkte.
Auf einen
Wehrmutstropfen will ich aber ausdrücklich
hinweisen. Der Verzehr der Ausgleichsrücklage
steigt auf 5 Mio. €. Diese Tatsache erschwert
uns schon heute die Arbeit in den nächsten
Haushaltsjahren.
Bei allen
Überlegungen hatten wir vor allem die Situation
der Städte und Gemeinden im Kreis Viersen fest im
Blick. Aber die Botschaft des heutigen
Haushaltsbeschlusses an die Städte und Gemeinden
im Kreis ist glasklar: "Der Kreistag ist ein
verlässlicher Partner in schwerer Zeit. Wir
machen es uns niemals leicht und erhöhen einfach
und ausschließlich die Kreisumlage. Dies gilt
heute und dies gilt auch für die Zukunft."
Mit dem heutigen
Beschluss zum Haushalt 2010 sind die Spar- und
Konsolidierungsbemühungen nicht etwa
abgeschlossen. Nein auch im weiteren Verlauf des
Jahres und im Haushaltsvollzug muss äußerste
Spar- und Ausgabendisziplin unsere Leitlinie sein.
Diese Aussage gilt im Übrigen für Politik und
Verwaltung gleichermaßen. Auch der Kreistag ist
gefordert, sich selbst zu disziplinieren. Alle
politischen Anträge die mit Ausgabenerhöhungen
verbunden sind, verbieten sich bis auf weiteres
von selbst und würden von der CDU
Kreistagsfraktion konsequent abgelehnt.
Natürlich
können bei dieser Betrachtung die
Personalaufwendungen und der Stellenplan nicht
außen vor bleiben. Gegenüber dem Entwurf haben
wir die Einrichtung neuer Stellen auf das absolut
notwendigste Maß reduziert. Zur Ehrlichkeit
gehört dann aber auch, dass wir nicht immer mehr
Aufgaben auf immer weniger Mitarbeiter verteilen
können. Die Mitarbeiter in der Kreisverwaltung
machen einen wirklich engagierten und guten Job.
Dafür - ich denke ich spreche im Namen aller hier
- den Mitarbeitern der Verwaltung Respekt,
Anerkennung und ein aufrichtiges Dankeschön.
Die Diskussion in
den vergangenen Monaten hat deutlich gemacht, dass
die Kreispolitik bereit ist, in schwierigen Zeiten
mehr Verantwortung zu übernehmen. Ziel ist es
aber auch, dass der Kreistag stärker als in der
Vergangenheit politisch gestalten und in wichtige
Entscheidungsprozesse maßgeblich eingebunden sein
will.
Und weil das so
ist, meine sehr verehrten Damen und Herren, will
ich heute noch einmal an alle Fraktionen,
Gruppierungen und jeden einzelnen
Kreistagsabgeordneten appellieren: "Setzen
wir den Weg des konstruktiven Dialogs über
Parteigrenzen hinweg weiter fort. Nichts stört
die Bürger mehr, als kleinkariertes
Parteiengezänk, Besserwisserei, Rechthaberei, wo
es doch um die ganz konkreten Belange der
Bürgerinnen und Bürger hier bei uns im Kreis und
in den Städten und Gemeinden geht. Dabei wollen
wir mitnichten die parteipolitischen Profile
verwischen und aufheben". So, meine Damen und
Herren, werden wir den Erwartungen der
Bürgerinnen und Bürgern und unserer Aufgabe
insgesamt am besten gerecht.
Sehr geehrter
Herr Landrat, bei Ihnen und Ihrer
Führungsmannschaft bedanke ich mich im Namen der
CDU-Fraktion für die geleistete Arbeit, für das
Engagement bezüglich dieses schwierigen
Haushaltes und seiner umfangreichen Beratung.
Unser besonderer Dank gilt auch dem Kreiskämmerer
Wilhelm Horster und seinen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern für die enorme Arbeit im
Zusammenhang mit dem Haushalt 2010, insbesondere
auch im Hinblick auf die Umstellung der Finanzen,
die den Kolleginnen und Kollegen des Herrn Horster
vieles abverlangt.
Die
CDU-Kreistagsfraktion stimmt dem Haushalt 2010 mit
allen Anlagen und Änderungslisten zu.
Michael Aach -
Fraktionsvorsitzender -
Viersen, 24. Juni
2010
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