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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Parteifreunde,

unmittelbar nach den gestern und heute stattgefundenen Gremiensitzungen von Partei und Fraktion ist es mir wichtig, Sie über die aktuelle Situation zu informieren.

Trotz des für uns alle enttäuschenden Ergebnisses ist es mir wichtig, mich zuerst bei Ihnen und Ihren Mitstreitern vor Ort für den engagierten Wahlkampf der letzten Wochen zu bedanken. Bitte geben Sie meinen Dank für den Einsatz in den letzten Wochen an Ihre Mitglieder vor Ort weiter. Unsere sehr aktiven Wahlkämpfer vor Ort sollen wissen, dass ich - unabhängig vom Ergebnis - sehr stolz auf ihr Engagement bin.

Die CDU Nordrhein-Westfalen hat am vergangenen Sonntag eine herbe Niederlage einstecken müssen. Parteivorstand und Landtagsfraktion haben eine erste Wahlanalyse vorgenommen. Es ist offensichtlich, dass unser schlechtes Wahlergebnis eine Vielzahl von Gründen hat, die in Berlin, aber auch in Düsseldorf zu finden sind. Wir haben es nicht geschafft, unsere potentiellen Wählerinnen und Wähler in Erfolg versprechendem Maße zu mobilisieren; viele sind aus Verärgerung über ganz unterschiedliche Themen einfach zu Hause geblieben; das Thema "Griechenland" hat dann in der letzten Woche für zusätzliche Verunsicherung gesorgt, der wir nicht ausreichend begegnen konnten. Das muss nach meiner festen Überzeugung sauber aufgearbeitet und analysiert werden, um Lehren für unsere zukünftigen Wahlkämpfe zu ziehen. Dazu gehören auch die Geschehnisse in der Landesgeschäftsstelle in den letzten fünf Jahren, die kurz vor der Wahl mittels schon längst entwendeter interner Dokumente über Internet von interessierter Seite publiziert wurden. Diese Verhaltensweisen vor einigen Jahren haben uns in den letzten Wochen sehr geschadet; sie haben ihr Ziel, das Ansehen des Ministerpräsidenten zu ramponieren weitgehend erreicht. Diese damaligen Vorgänge müssen aufgeklärt und - soweit noch nötig und möglich - für die Zukunft abgestellt werden, sonst ist kein vernünftiger Wahlkampf mehr möglich.

Auch unser Team in der Wasserstrasse hat mit vielen engagierten Mitarbeitern und jungen Freiwilligen mit großem Einsatz gekämpft. Die Aufarbeitung der angesprochenen Sachverhalte will ich auch dazu nutzen, für die Zukunft die Adresse "Wasserstrasse" wieder mit positiven Assoziationen zu verknüpfen!

Das Wahlergebnis hat jetzt zu einer schwierigen Regierungsaufgabe geführt. Trotz deutlicher Verluste konnte die CDU auch bei dieser Landtagswahl die meisten Stimmen gewinnen. Den demokratischen Spielregeln folgend ergibt sich hieraus für uns ein Führungsanspruch, den wir uns von den Sozialdemokraten nicht streitig machen lassen werden.

Denn die SPD hat am Sonntag zu früh gejubelt. Sie hat das schlechteste Ergebnis bei Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen seit 56 Jahren eingefahren. Für rot-grün gibt es keine Mehrheit. Spannend wird sein, ob die SPD, wie von uns immer prophezeit, ein rot-rot-grünes Experiment und damit ein hohes Risiko für die Stabilität unseres Landes eingehen wird.

Die CDU hat allen demokratischen Parteien Gesprächsbereitschaft signalisiert. Dabei darf nicht im Vordergrund stehen, sich an Ämter zu klammern. Aber wir haben - mit Blick auf die Herausforderungen der Finanzkrise und den schwierigen, daraus für NRW folgenden Aufgaben - im Wahlkampf für eine stabile Regierung geworben. Deshalb steht unser Gesprächsangebot, um in den denkbaren Konstellationen - jedenfalls aber aus der Position Nummer 1 heraus - Verantwortung zu übernehmen.

In den kommenden Wochen werden noch schwierige Situationen auf uns zukommen; deshalb kommt es jetzt darauf an, dass die Partei zusammenhält. Der Landesvorstand hat gestern Abend einstimmig unseren Landesvorsitzenden, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, aufgefordert, diese Gespräche mit allen demokratischen Parteien zu führen. Es ist gut, dass Jürgen Rüttgers sich trotz der Enttäuschung über das Wahlergebnis dazu bereit erklärt hat. Sollten mögliche Gespräche nicht zu einem erfolgreichen Ergebnis gelangen, werden wir als anständige Demokraten eine schlagkräftige Opposition aufbauen. Zunächst aber gilt es in den nächsten Wochen, unsere Chancen klug zu nutzen.

Ich bitte Sie herzlich darum, in Ihren Verbänden und Vorständen das Wahlergebnis gründlich, ehrlich, aber in fairem Umgangston zu besprechen. Ich selbst stehe gerne für Rücksprachen, Hinweise und Gespräche zur Wahlkampfanalyse zur Verfügung, denn eine gründliche Ursachenforschung ist der erste Schritt auf dem Weg zu zukünftigen Wahlsiegen.

Mit nochmaligem Dank für den Einsatz im Wahlkampf grüße ich Sie alle herzlich und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Andreas Krautscheid