Wirtschaftsjournalist
geißelt Ideologien und Staatsgläubigkeit -
Günter Ederer: "Träum weiter,
Deutschland!"
In seinem
Buch "Träum weiter, Deutschland!
Politisch korrekt gegen die Wand" nimmt
der Journalist Günter Ederer (Foto rechts)
kontrovers-kritisch Stellung zu aktuellen
politischen Fragen und verschont dabei weder
die Regierenden noch die Oppositionellen,
setzt sich vielmehr eingehend auseinander
mit Fehlentwicklungen in der bundesdeutschen
Gesellschaft. Der frühere
ZDF-Wirtschaftsredakteur und
Fernostkorrespondent in Tokio sprach jetzt
auf Einladung des "Arbeitskreises
Demographischer Wandel" des
CDU-Kreisverbandes Viersen im Forum des
Kreishauses in Viersen.
Der für
seine eckigen Analysen bekannte Journalist
stellt sich dem politischen Mainstream
entgegen, geißelt Ideologien und wettert
gegen die seiner Meinung nach in Deutschland
immer noch viel zu sehr verbreitete
Staatsgläubigkeit. Immer noch werde in
unserem Land der Ruf nach dem Staat zu
häufig laut. Breiten Raum widmete er in
seinen Ausführungen der Frage, wie denn dem
drohenden Mangel an qualifizierten
Arbeitskräften entgegen gewirkt werden
könnte.Die Geburtenrate kann da keinen
Optimismus begründen: Die Zahl der Geburten
ging von 1,4 Millionen Mitte der 60er Jahre
auf 670 000 zurück. Einwanderung werde auch
keine Lösung bringen, denn weder aus Süd-
noch aus Osteuropa, geschweige denn aus dem
afrikanischen Raum werde man die Qualität
an Arbeitskräften bekommen können, die das
Land benötigen werde.
Ederer
wandte sich vehement auch gegen falsche
Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt: So
werde die Zahl der Bundesbürger um über
1,2 Millionen höher angegeben, als sie
tatsächlich sei. Die Zahl der Migranten,
offiziell bei 24 Prozent, sei wesentlich
höher. Anders als Sarrazin sei es ihm egal,
woher die Menschen stammten, aber gut
ausgebildet und gesellschaftlich integriert
sollten sie sein.
Den
ländlichen Raum zu stärken propagiere die
Politik, aber auch das sei falsch, denn
"Wo nichts ist, kommt auch nichts hin:
Sowohl im Osten wie in Gebieten wie dem
Hunsrück oder der Eifel seien nun einmal
weniger Menschen, daran werde auch die
Politik nichts ändern. Ederer wandte sich
auch gegen die verfehlte Familienpolitik:
170 Milliarden seien in dieses Politfeld
geflossen, doch: "Was haben wir damit
eigentlich erreicht?" Bei der
Schulpolitik werde mehr über neu zu
errichtende Schulgebäude als über
Lerninhalte gesprochen.
Die
Finanzkrise sei in Wirklichkeit eine Krise
der Staatsschulden. Man rede in Deutschland
von einem "Sparhaushalt", wenn die
Neuverschuldung "nur noch" um 27
Milliarden wachse. Im Grunde hätte man bei
längst wieder stark steigenden
Steuereinnahmen einen ausgeglichenen
Haushalt vorlegen müssen. Dazu passte am
Abend die Meldung, dass eine große
Rating-Agentur jetzt sogar Deutschland wegen
seiner Verschuldung in nächster Zeit
herabstufen müsse.
Allgemein
forderte Günter Ederer die Rückbesinnung
auf die Werte Ludwig Erhards und zurück zu
einem Menschenbild des selbständigen
Bürgers, dessen Eigeninitiative es zu
fördern gelte. In seinem Buch zeigt er
nicht nur die Probleme auf, sondern gibt
auch Lösungsmöglichkeiten an, wie sie in
anderen Ländern längst gefunden wurden.
Anderthalb
Stunden lang lauschten die Zuhörer, wie
Ederer "der Politik einmal gründlich
die Leviten las", wie es Vizelandrätin
Luise Fruhen (Tönisvorst) formulierte. Sie
hatte den Buchautor zu diesem Vortrags- und
Diskussionsabend eingeladen.
Journalist
aus Passion Seinen Beruf erlernte Günter
Ederer bei Tages- und Wochenzeitungen,
machte dann seinen Karriere-Weg beim
Südwestfunk und beim ZDF. Ab 1971 arbeitete
er für die Wirtschaftssendung
"Bilanz", ab 1984 berichtete er
sechs Jahre lang aus Japan für das ZDF.
Erfolgreicher
Buchautor Zwischen 1991 und 2011
veröffentlichte Ederer sieben Bücher, mit
denen er zum Bestseller-Autor und zu einem
häufig eingeladenen Berater der Wirtschaft
wurde.
Ausgezeichneter
Publizist Günter Ederer, Jahrgang 1941,
arbeitet seit über 20 Jahren selbständig
und produzierte in über 60 Ländern Filme.
Er erhielt für seine Arbeiten 23 Filmpreise
und zahlreiche weitere Auszeichnungen. (jk)
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